Benedikt Leidorf
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FRANK stellt vor

Benedikt Leidorf

Mit dem Wunsch innovative Ideen für nachhaltige Immobilien umzusetzen und dabei die Energiewende als Chance zu sehen - im Gespräch mit unserem Abteilungsleiter für Wärme- und Energiedienstleistungen aus dem Eco-Bereich, Benedikt Leidorf

Benedikt Leidorf Baustelle Helling

Welche Bereiche umfasst deine derzeitige Arbeit bei FRANK?
Gemeinsam mit meinem Team sind wir Teil des Eco-Bereichs bei FRANK und sorgen für die nachhaltige Energieversorgung bei Neubau- und Sanierungsprojekten. Im Fokus steht dabei die lokale und ressourcenschonende Energieerzeugung, mit dem Ziel der Dekarbonisierung - dem Umstieg von fossilen Brennstoffen auf kohlenstofffreie und regenerative Energiequellen - für die Energieversorgung von FRANK und unserer Kund*innen. Daneben entwickeln und setzen wir Lösungen im Bereich der Ladeinfrastruktur für E-Mobilität um und beschäftigen uns mit Optionen für die Umsetzung eines intelligenten Energieeinkaufs. 

Welche deiner Aufgaben sind für dich am spannendsten?
Ich habe das Glück im Rahmen meiner Arbeit zusammen mit meinen Kolleg*innen unheimlich viele spannende und unterschiedliche Projekte umsetzen zu dürfen. 
Eines der großen Themen ist der Klimawandel und der damit notwendige Umbau des gesamten Energiesystems. Diese Energiewende als Chance zu sehen und sich hierdurch auch neue Geschäftsfelder zur erschließen ist aktuell eine der spannendsten Herausforderungen.
Aber auch jedes einzelne Energieversorgungsprojekt für sich ist immer spannend und abwechslungsreich. Dabei ist es egal, ob es die kleine regenerative Energieerzeugungsanlage für ein Sanierungsprojekt ist oder die große Quartiersversorgung wie z.B. in der ÖkoSiedlung Friedrichsdorf oder aktuell im helling.

Abwasserwärmetauscher Barmbek helling

Bei dem Projekt helling hast du einen Abwasserwärmetauscher mit Hamburg Wasser umgesetzt. Wie kam es zu dieser Idee?
Die Idee, dass wir bei FRANK „Wärme aus Abwasser“ nutzen, gab es schon länger. Im Abwasser, welches in unseren Sielen vorhanden ist, steckt ein enormes Wärmepotenzial. Die effiziente und wirtschaftliche Nutzung dieser regenerativen Energiequelle, die 24 Stunden pro Tag und ganzjährig zur Verfügung steht, ermöglicht uns, den Primärenergieverbrauch und damit den CO2-Ausstoß signifikant zu senken. Um eine Abwasserenergieanlage wirtschaftlich betreiben zu können, sind einige Faktoren, wie z.B. die Durchflussmenge im Abwasserkanal, die Temperatur des Abwassers aber auch die Größe und das Alter des Kanals entscheidend. 
Als wir dann 2020 mit der Entwicklung des Wohnquartiers helling gestartet sind, habe ich mich mit HAMBURG WASSER als Hamburgs Wasserver- und Entsorgungsunternehmen zusammengesetzt und unsere Möglichkeiten erörtert. Alle entscheidenden Faktoren haben gepasst und so konnten wir den Abwasserwärmetauscher im Kanal von HAMBURG WASSER installieren.

Waerme Energie helling

Was ist neben der Abwasser-Energie das Besondere an der Energieversorgung in helling?
Im Projekt helling werden Wärme und Strom gemeinsam gedacht. Es verknüpft die Energiewende, die bisher eher eine Stromwende ist, mit der Wärmewende. Durch die Möglichkeit im Quartier Wärme bereitzustellen und dabei flexibel auch Strom zu generieren, ist das Projekt netzdienlich. 
Ist im Sommer viel Solarstrom im Netz geht die Wärmepumpe in Betrieb, erzeugt Wärme und verbraucht Strom. Ist allerdings im Sommer gerade wenig regenerativer Strom im Netz erzeugt das BHKW und die Photovoltaikanlage Strom und Wärme (BHKW). 
Wenn im Winter viel Wärme benötigt wird, sind Wärmepumpe und BHKW gemeinsam in Betrieb. Die Wärmepumpe arbeitet dann mit dem Strom aus dem BHKW und belastet nicht wie so viele andere Wärmepumpen das Netz. 
Den quartierseigenen Strom können die künftigen Bewohner darüber hinaus auch als Quartiersstrom durch FRANK beziehen. Der Strom kommt dabei überwiegend aus der auf den Gründächern installierten Photovoltaikanlagen mit einer Gesamtleistung von rd. 150 kWp.  

PV Anlage Dach

Wie wichtig ist den Bewohner*innen der Quartiersstrom?
Wir haben schon viele Anfragen von den Bewohner*innen und merken auch in anderen Wohnanlagen eine erhöhte Nachfrage. Durch die gestiegenen Energiepreise recherchieren die Mieter*innen nach kostengünstigen Alternativen und da haben wir als Quartierserzeuger mit meinStrom@FRANK einen großen Wettbewerbsvorteil. Günstigeren und attraktiveren Strom als vom eigenen Dach gibt es nicht. Das der eigene Strom künftig direkt vor Ort, sozusagen auf dem eigenen Dach, erzeugt wird und damit ein aktiver Beitrag zum Klimaschutz geleistet wird, ist für viele Bewohner*innen ein weiteres Argument, sich für Quartiersstrom zu entscheiden.

 

Wie sieht für dich die Zukunft der Energieversorgung aus?
Um die Energiewende erfolgreich zu gestalten, muss das Energiesystem neu gedacht werden. Der Schlüssel liegt dabei für mich in der Digitalisierung. Digitale Daten werden im Energiesystem der Zukunft eine übergeordnete Rolle spielen, denn mit diesen Informationen lassen sich Prognosen für Energiebedarf, Energieerzeugung und Preis in Echtzeit erstellen. Ohne diese Informationen lassen sich die unterschiedlichen Komponenten in einem regenerativen Energiesystem weder regeln noch effizient steuern.  
Hierdurch werden sich für FRANK auch neue digitale Geschäftsmodelle entwickeln, die jeden einzelnen Nutzer am Energiesystem beteiligen. Das kann zum Beispiel ein variabler Stromtarif sein, bei dem die intelligenten Stromzähler im Haus den Preis in Echtzeit erhalten. Ist Strom gerade günstig, weil er zeitgleich in der objekteigenen PV-Anlage erzeugt wird, wird die Wallbox für das Elektroauto zugeschaltet. Sagt die Wettervorhersage auch für die nächsten Stunden eine hohe Sonneneinstrahlung und damit eine hohe Stromerzeugung voraus, springen Waschmaschinen und Geschirrspüler an. Das dies passiert ohne dass wir davon etwas mitbekommen, ist natürlich noch „Zukunftsmusik“, aber wie beim autonomen Fahren, wird es hier verschiedene Entwicklungsstufen zwischen einer Assistenz für den Nutzer und einem völlig autonomen Betrieb geben.

Dulsberg

Welches ist dein favorisiertes Quartier von FRANK?
Das ist gar nicht so einfach. In jedem Projekt von FRANK steckt ein Innovationsgedanke. Was z.B. in den 1920er Jahren die Gemeinschafts-Wannenbäder, Dachterrassen und Zentralheizungen in den Wohnanlagen Heidhörn und Dulsberg waren, das sind heute die autofreien Quartiere sowie das Haushalten mit den uns zur Verfügung stehenden Ressourcen. Zudem war bei der Entwicklung des Dulsbergs der Quartiersgedanke extrem wichtig, um ein generationsübergreifendes Zusammenleben zu schaffen. Das sind heute unsere Lebensformate, die wir in unsere Quartiere von morgen übertragen und weiterentwickeln. Es ist schön zu sehen, wie wir diese Werte auch in die ÖkoSiedlung in Friedrichsdorf übertragen haben und wie positiv sich das Zusammenleben dort entwickelt.